Fibonacci-Zahlen

Die Fibonacci-Zahlenreihe definiert ein festes wiederkehrendes Muster, das in allen Bereichen des Lebens zu finden ist und deshalb auch auf die Kursbewegung der Finanzmärkte Einfluss hat.

Entdeckt wurde die folgende Zahlenfolge im 12. Jahrhundert von dem italienischen Mathematiker Leonardo da Pisa, genannt "Fibonacci"

"Fibonacci" Zahlen sind durch eine unendliche Folge von Zahlen definiert, in der sich jede Zahl aus der Summe der beiden vorhergehenden Zahlen errechnet. Es ergibt sich dadurch folgende Zahlenreihe:

1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144….

Man beginnt bei 1, geht weiter mit 2, addiert dann 1+2, erhält hier die Zahl 3, addiert 2+3, erhält dadurch die vierte Zahl, nämlich 5, addiert dann 3+5, usw…

Wenn man jetzt das Verhältnis von jeder Zahl zu der nächsten berechnet, bekommt man 0,618 heraus. Also z.b. 34 / 55 = 0,618.
Nimmt man das Verhältnis von z.b. 34 zu 89, erhält man 0,382.
Diese Zahlen nennt man den „Goldenen Schnitt“.

Wichtige Fibonacci-Zahlen :

Fibonacci Retracement Levels: 0.236, 0.382, 0.500, 0.618, 0.764
Fibonacci Extension Levels: 0, 0.382, 0.618, 1.000, 1.382, 1.618

Diese Zahlen werden zur Berechnung von Korrekturzielen und Kurszielzonen verwendet.


Fibonacci Retracement

Die Idee ist, in einem Aufwärtstrend an einem Fibonacci-Unterstützungspunkt long zu gehen.
Um diese Retracement-Punkte zu finden, klickt man im Chartprogramm auf einen wichtigen Tiefpunkt des Swings und zieht den Cursor zu dem letzten signifikanten Hochpunkt der Kursbewegung.
Sehen wir uns ein paar Beispiele dazu an:

Dies ist ein USD/JPY Stundenchart. Hier haben wir die Fibo-Retracement-Levels durch einen Klick bei Tiefpunkt bei 110,78 am 12.7.05 und ein Ziehen bis zum Hochpunkt bei 112,27 am 13.7.05 erstellt.
Sie sehen, dass die Software die Fibo-Punkte gekennzeichnet hat. Sie sind bei 111,92 (0,236), 111,70 (0,382), 111,52 (0,500) und 111,35 (0,618).
Nun ist unsere Erwartung, dass wenn USD/JPY sich von seinem Hoch zurückzieht, er bei einem der Fibonacci-Punkte aufgrund der Kauforders der Trader eine Unterstützung finden wird:

Nun schauen wir uns an, was wirklich nach dem Hoch des Swings passiert ist.
Der Markt hat sich bis zu 0,236 zurückgezogen und am nächsten Tag das 0,382 Level getestet, ohne es aber in den close-Kursen zu durchdringen. Später an diesem Tag nahm dann der Markt seinen Aufwärtsschwung wieder auf.
Eine Long-Position am 0,382 Fibo-Level wäre ein guter kurzfristiger Trade geworden.


Jetzt schauen wir uns das ganze einmal bei einem Downtrend an:

Hier sehen wir einen Stundenchart von EUR/USD.
Wie sie sehen können, ziehen wir die Fibo-Levels vom Hoch bei 1,3278 am 28.2.05 bis zu dem Tief bei 1,3169 ein paar Stunden später.
Die Retracement-Levels sind 1,3236 (0,618), 1,3224 (0,500), 1,3211 (0,382), and 1,3195 (0,236).
Wir erwarten, dass der Rückschwung des Abwärtstrends einen vorübergehenden Widerstand an den Fibo-Levels finden wird, da hier die Verkäufer warten werden:

Der Markt hat tatsächlich versucht, den 0,500 Fibo-Wert zu durchbrechen, ist aber gescheitert.
Im Anschluss daran, hat der Kurs gedreht und der Abwärtstrend wurde fortgesetzt.
Man hätte, hätte man am 0,382 Level verkauft, einigen Profit erzielen können:


Noch ein Beispiel:

Hier haben wir einen Stunden-Chart von GBP/USD, es gab Hoch bei 1,7438 am 26.7.05 und ein Tief bei 1,7336 am nächsten Tag.
Also sind unsere Retracement-Levels: 1.7399 (0.618), 1.7387 (0.500), 1.7375 (0.382), and 1.7360 (0.236).
Wenn wir jetzt auf den Chart schauen, wirkt es so, als ob die Markt mehrmals versucht hätte, das 0,500 Level zu durchbrechen, aber vorläufig gescheitert ist.
Wäre nicht eine Sell-Order beim 0,500 Level eine gute Idee?

Wenn wir dieser Idee gefolgt wären, hätten wir einen beträchtlichen Verlust eingefahren!
Schauen wir uns an, was passiert ist. Das Tief scheint einen Boden für den Abwärtstrend ausgeformt zu haben, da der Kurs offensichtlich eine Rally über das Hoch hinaus vollzogen hat:

Wir erkennen hier an diesen Beispielen, das der Markt üblicherweise seinen Weg durch die vorläufig geringste Unterstützung (bei Aufwärtstrend) oder durch den geringsten Widerstand (beim Abwärtstrend) an den Fibonacci-Levels findet.
Es offenbaren sich hier einige Probleme, mit denen man lernen muss, umzugehen:

Es gibt keine Möglichkeit zu wissen, welches Level Unterstützung bieten wird.
Obwohl die Beispiele hier zeigen, dass sich der Markt normalerweise nur bis zum 0,382 Level zurückzieht, heisst es nicht, dass der Kurs hier jedes Mal ankommen und umdrehen wird.

Manchmal wird der Kurs die 0,500 treffen und umdrehen, manchmal die 0,618 und umdrehen, und einige Male mehr wird der Kurs sich an keine dieser Gesetzmäßigkeiten halten und alle diese Stufen durchbrechen.
Nicht zu vergessen: der Markt wird nicht immer seinen Aufwärtstrend fortsetzen, nach dem er temporäre Unterstützung gefunden hat, sondern vielleicht genau das Gegenteil tun und unter das letzte Tief fallen. Das gleiche gilt natürlich auch für den Aufwärtstrend.

Schwierig ist das Setzen der Stops.
Möglicherweise ist es das Beste, den Stop unterhalb des letzten Tiefs (beim Aufwärtstrend) oder oberhalb des letzten Hochs (beim Abwärtstrend) zu setzen. Dies bedeutet aber, dass man ein hohes Maß an Risiko im Verhältnis zum möglichen Gewinn eingehen muss.
Das nennt man „risk-reward-ratio“ – dazu später mehr.

Eine weitere Schwierigkeit ist es, festzustellen, welches Tief und welches Hoch der richtige Startpunkt für das Erstellen der Fibonacci-Levels ist. Jeder sieht die Charts auf seine persönliche Weise und interpretiert die Hochs und Tiefs anders.

Kurz gesagt: es gibt keine richtige Art, diese Methode zu handhaben und manchmal wird das Ganze zu einem Ratespiel.


Fibonacci Extension (Erweiterung)

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit der Fibonacci-Methode liegt darin, Kursziele zu ermitteln.
Beginnen wir wieder mit einem Beispiel an einem Aufwärtstrend.
Die Idee ist es, Profit bei einem Long-Trade an einem Fibo-Extension-Level mitzunehmen.

In diesem USD/CHF Stunden-Chart haben wir die Fibo-Extension-Levels zwischen dem Tief bei 1,2447 am 14.08.05, dem Hoch bei 1,2593 am 15.08.05 und dem Retracement-Swing bei 1,2541 am 15.08.05 gezogen.
Die dabei entstandenen Fibo-Extension-Levels liegen bei 1,2597 (0,382), 1,2631 (0,618), 1,2687 (1,000), 1.2743 (1,382), 1.2760 (1,500), and 1.2777 (1,618).

Sehen wir uns an, was tatsächlich passiert ist:

• Es gab eine Rally bis zum 0,500 Level
• Der Kurs ist zum Retracement-Tief zurückgefallen
• Wieder zum 0,500 Level hinauf
• Leicht korrigiert
• Weiter gestiegen bis zum 0,618 Level
• Zurück zum 0,382 Level, das als Unterstützung gedient hat
• Schliesslich eine Rally bis zum 1,382 Level
• Es trat eine kleine Konsolidierung ein
• Dann ging es weiter bis zum 1,500 Level

Wir sehen an diesem Beispiel, dass der Markt zumindestens kurzfristigen Widerstand an den Fibonacci-Extension-Levels findet – nicht immer, aber oft.
Hier gilt gleich wie bei den Fibonacci-Retracement-Levels, dass man nie wissen kann, welches Level Unterstützung oder Widerstand bieten wird. Das 0,500 Level ist auf jeden Fall ein guter Punkt, um große Long-Trades glattzustellen.

Diese Fibonacci-Extension-Levels sind wieder analog im Abwärtstrend zu verwenden, auf dieses Beispiel verzichten wir an dieser Stelle.

Um es noch einmal zusammenzufassen:
Die Fibonacci-Levels für sich alleine sind für erfolgreiches Trading nicht ausreichend.
Betrachten Sie diese als Ergänzung zu anderen Methoden, in Kombination mit anderen Indikatoren sind die Fibonacci-Levels ein guter Anhaltspunkt, um Widerstände und Unterstützungen zu erkennen und diese in die Überlegungen miteinzubeziehen.

Gehen Sie niemals nur aufgrund von Fibonacci-Levels in einen Trade hinein oder aus einem Trade heraus!



 






 


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